Kernsystemmigrationen in der Versicherung gelingen, wenn Zielbild, Governance und Migrationsscope von Anfang an klar definiert sind.
Professionelle Changemanagement-Begleitung sorgt dafür, dass Mitarbeitende beim Wandel zu neuen Systemen mitgenommen werden und diesen aktiv mitgestalten.
Das Programm FUTURO der Itzehoer Versicherungen zeigt: Mit den richtigen Leitplanken und einer guten Programmsteuerung ist digitale Transformation in der Versicherungsbranche in überschaubarer Zeit erreichbar.
Die Ablösung eines gewachsenen Kernsystems ist eines der anspruchsvollsten Vorhaben, das ein Versicherer stemmen kann. Gemeinsam mit den Itzehoer Versicherungen zeigen wir, wie es geht: mit klarem Zielbild, schlanker Migration und einer Changemanagement-Begleitung, die Menschen wirklich mitnimmt und die Veränderung nachhaltig im Unternehmen verankert. Welche Leitplanken das Programm FUTURO beherrschbar machen – und was andere Versicherer daraus lernen können – erläutern wir im weiteren Verlauf in diesem Beitrag.
Erst das Zielbild – dann die Systemauswahl
Viele Projekte scheitern nicht an der Technik, sondern am falschen Start: Die Anbieterfrage steht zu früh im Mittelpunkt, technische Präferenzen oder Altsystemlogik prägen die Richtung, bevor ein strategisches Fundament gelegt ist. Wir empfehlen deshalb einen klaren Dreischritt: Zielbild definieren, Leitplanken festlegen, Auswahl strukturiert durchführen.
Im Projekt mit den Itzehoer Versicherungen wurden zunächst drei zentrale Fragen beantwortet: Welche fachlichen Fähigkeiten muss das neue Kernsystem zwingend mitbringen? Welche Architektur- und Betriebsprinzipien sollen künftig gelten? Und welche organisatorischen Veränderungen soll das System ermöglichen? Erst danach startete der Marktvergleich – mit K.-o.-Kriterien, Bewertungsrastern und dokumentierten Proof-of-Concept-Szenarien. So entstand eine revisionssichere Systementscheidung mit breiter Akzeptanz, nachvollziehbarer Begründung und stabiler Basis für das weitere Programm.
„Standard führt“ – aber nur mit konsequenter Governance
Ein Standardsystem entfaltet seinen Wert nur, wenn der Versicherer den Standardansatz auch wirklich durchhält. Die größte Gefahr liegt in den Ausnahmen und individuellen Anpassungen: Jede wirkt für sich plausibel, zusammen erzeugen sie jedoch genau jene Komplexität, die das Programm abbauen sollte. Daher gilt der Leitsatz: „Standard führt“.
Im Programm FUTURO bedeutet das konkret: Fachbereiche müssen Abweichungen vom Standard aktiv begründen. Wir bewerten als Programmleitung die Folgekosten und Risiken. Sonderwünsche werden transparent entschieden – und vor allem begrenzt. So bleibt die Systemlandschaft schlank, releasefähig und das Programm steuerbar.
Migration: so viel wie nötig, so wenig wie möglich
Die Datenmigration entscheidet oft über Erfolg oder Scheitern einer Kernsystemablösung in der Versicherung. Wir verfolgen einen konsequenten Minimalansatz, denn jeder zusätzliche Migrationsgegenstand erhöht Komplexität und Fehleranfälligkeit. Die zentrale Frage ist: „Was müssen wir mitnehmen?“ Alles andere bleibt außen vor.
Im Programm FUTURO wurden früh klare Entscheidungen getroffen und Migrationsleitplanken festgelegt: Welche aktiven Bestände müssen ins Zielsystem? Welche historischen Informationen bleiben im Altsystem oder Archiv? Welche Produktvarianten können konsolidiert werden? – „So wenig wie möglich, so viel wie nötig” war unser Motto. Der Fokus lag auf Letztstandmigration; alle historischen Daten können über das Archiv nachgelesen werden.
Ein schlanker Migrationsumfang senkt technische Risiken und zwingt zu ehrlichen Entscheidungen über das künftige Geschäftsmodell. Die fachliche Verantwortung für Datenqualität bleibt dabei beim Versicherer; PPI liefert Methoden, Ladeformate und Werkzeuge sowie das nötige Erfahrungswissen aus vergleichbaren Projekten.
Produktionsnaher MVP statt Big Bang
Statt alle Sparten auf einmal zu überführen, empfiehlt sich ein MVP‑Ansatz. Ein MVP muss dabei produktionsnah sein, damit er echte Erkenntnisse liefert.
Bei den Itzehoer Versicherungen starteten wir mit den Sparten Hausrat/Glas: Alle relevanten Komponenten – Produkt/Vertrag, Schaden, Partner, In-/Exkasso sowie Provision und Vermittlerverwaltung – wurden im Parallelbetrieb pilotiert.
Dieser Ansatz ist technisch anspruchsvoll, hauptsächlich in der Integration. Er offenbart Integrations- und Prozessprobleme jedoch rechtzeitig und nicht erst beim unternehmensweiten Roll-out. Die gewonnenen Erfahrungen fließen direkt in die Planung der weiteren Sparten ein und machen das Gesamtprogramm deutlich robuster.
Changemanagement-Begleitung: Menschen mitnehmen, nicht überrollen
Ein neues Kernsystem verändert nicht nur die IT‑Landschaft. Es verändert Arbeitsweisen, Rollen, Entscheidungswege und Erwartungen. Mitarbeitende müssen neue Oberflächen nutzen, neue Prozesse akzeptieren und alte Routinen loslassen.
Wir etablierten in FUTURO deshalb ein eigenständiges Schwesterprojekt „Transformationsmanagement“ parallel zur technischen Umsetzung. Es steuerte die Kommunikation mit Stakeholdern, Fachbereichen und Mitarbeitergremien, verantwortete Anwenderschulungen und schulte einen Großteil der Belegschaft gezielt im Umgang mit Veränderungen.
Die Wirkung war messbar: Nach dem Go-live blieben die Rückmeldungen aus Vertrieb und Fachbereichen überschaubar. Keine nennenswerten Ängste, kein nennenswerter Widerstand. Die Nutzerinnen und Nutzer waren vorbereitet, weil die Changemanagement-Begleitung durch PPI konsequent auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet war.
Digitale Transformation in der Versicherung ist planbar – mit dem richtigen Partner
Das Programm FUTURO zeigt, was möglich ist, wenn Expertise, Methodik und Transformationsbegleitung zusammenwirken: Die Itzehoer Versicherungen erreichten ihr erstes Zwischenziel – eine schlankere, releasefähige Systemlandschaft für die Migration vom Alt- ins Zielsystem – innerhalb von nur 20 Monaten. Für ein Vorhaben dieser Größenordnung eine bemerkenswerte Bilanz. Insgesamt wurden sechs neue Komponenten (Produkt, Bestand, Schaden, In-/Exkasso, Provision und Partner) eingeführt und in die bestehende Systemlandschaft integriert.
PPI begleitet Versicherer auf genau diesem Weg: von der Zielbilddefinition und Systemauswahl über Governance-Aufbau, Businessanalyse, Facharchitektur, Integration, Test, Migrationsplanung und Programmsteuerung bis hin zur Changemanagement-Begleitung und dem Kompetenzaufbau nach dem Go-live. Kernsystem-Modernisierung in der Versicherung gelingt nicht durch maximale Übernahme alter Strukturen, sondern durch klare Entscheidungen, begrenzten Scope und einen Partner, der sowohl das fachliche als auch das technische und das menschliche Bild und die gesamte Organisation im Blick behält. Bis 2030 soll die vollständige Migration aller Sparten der Itzehoer abgeschlossen sein. Wir begleiten diesen Weg.








