Laufende SFDR-Überarbeitung hat erhebliche Auswirkungen auf die MiFID-II-Nachhaltigkeitspräferenzen.
Anstelle von Überpräzision stehen dabei Pragmatismus und transparente Kommunikation im Fokus.
Neue Technologien ermöglichen Kosten- und Aufwandseinsparungen.
Welche Wirkung hätte die SFDR-Überarbeitung auf die Nachhaltigkeitspräferenzabfrage gemäß MiFID II? In unserem vorangegangenen Beitrag haben wir dies für die Produktklassifizierung sowie PAI- und Taxonomiequoten näher beleuchtet. In diesem Beitrag widmen wir uns Fragen zur Geeignetheitsprüfung, zum Greenwashing sowie zum Thema Product Governance und zeigen auf, welche Vorteile der Einsatz neuer Technologien mit sich bringt – erneut im Kontext der ESMA-Ergebnisse zur Umsetzung der MiFID-II-Nachhaltigkeitspräferenzabfrage.
Das SFDR-Review verlangt operative Anpassungen
Umgang mit Kunden ohne explizite Nachhaltigkeitspräferenz
Viele Institute nutzen Nachhaltigkeitspräferenzen auf Portfolioebene und nicht auf Ebene einzelner Produkte. Gleichzeitig erschweren begrenzte Produktangebote die Geeignetheitsprüfung. Der SFDR-Review adressiert dies mittelbar durch klarere ESG-Produktdefinitionen und standardisierte Kategorien.
Die operativen Auswirkungen wären insbesondere für das Portfolio-Monitoring und die Geeignetheitsprüfungen relevant. Institute müssten Nachhaltigkeitsquoten und ESG-Kategorien künftig konsistenter auf Gesamtportfolioebene überwachen und dokumentieren.
Product Governance und Zielmarktdefinitionen
Die ESMA-Untersuchung zeigt erhebliche Unterschiede bei ESG-Zielmarktdefinitionen und Product-Governance-Prozessen. Obwohl die meisten Häuser Nachhaltigkeitsziele im Zielmarktprozess berücksichtigt haben, fehlt teilweise die notwendige Granularität für einen belastbaren Abgleich von Kundenpräferenz und Produkteigenschaften. Interessant ist der Tonfall der ESMA in der Veröffentlichung der Ergebnisse. Sie erkennt die Komplexität und Unschärfen der Regelungen deutlich an und fordert die nationalen Aufsichtsbehörden auf, einen proportionalen Prüfungsansatz zu verfolgen, der einen Dialog mit den Instituten vor eventuelle Maßnahmen stellt.
Das zeigt, dass die ESMA die bestehenden operativen Probleme nicht allein als Umsetzungsdefizite der Institute versteht, sondern auch als Folge eines weiterhin fragmentierten und teilweise inkonsistenten Rechtsrahmens. Insbesondere die laufende Überarbeitung der SFDR dürfte künftig erhebliche Auswirkungen auf die MiFID-II-Nachhaltigkeitspräferenzen haben und hoffentlich für stärkere Standardisierungen sorgen. Gleichzeitig müssten Hersteller und Vertreiber Zielmarktdefinitionen, Produktfreigabeprozesse und ESG-Dokumentationen umfassend überarbeiten.
Greenwashing, Transparenz und ESG-Claims
Der SFDR-Review reagiert deutlich auf Risiken uneinheitlicher ESG-Kommunikation. Künftig sollen Nachhaltigkeitsclaims stärker an definierte Produktkategorien gebunden werden. Besonders der ECON-Bericht verschärft die Anforderungen an nicht kategorisierte Produkte.
Für die Praxis bedeutet dies vorwiegend Anpassungen bei Produktkennzeichnungen, Vertriebsunterlagen und ESG-Offenlegungen. Gleichzeitig dürfte der Abstimmungsaufwand zwischen Compliance, Vertrieb und Produktmanagement deutlich steigen.
SFDR-Review löst nicht alle ESMA-Befunde
Trotz der umfassenden Reformvorschläge hat der SFDR-Review nicht auf alle ESMA-Befunde eine passende Antwort parat. Dies betrifft etwa den Umgang mit Kunden ohne klare Nachhaltigkeitspräferenzen, die methodische Behandlung multipler Präferenzen oder die konkrete Ausgestaltung von Anpassungsprozessen im Beratungsgespräch.
Dies ist nicht verwunderlich: Der SFDR-Review adressiert primär Produktklassifizierung, ESG-Offenlegung und Nachhaltigkeitsclaims. Die eigentliche Ausgestaltung der Nachhaltigkeitspräferenzabfrage sowie der Geeignetheitsprüfung bleibt dagegen weiterhin überwiegend ein MiFID-II-Thema und wäre in diesem Rechtsrahmen zu lösen.
Gerade deshalb wird die Herausforderung für Hersteller und Vertreiber künftig primär darin liegen, die neue Produktlogik des SFDR mit den bestehenden MiFID-II-Prozessen operativ konsistent zu verbinden – insbesondere bei ESG-Fragebögen, Produkt-Mappings und Geeignetheitsprüfungslogiken.
Neue Technologien ermöglichen Kosten- und Aufwandseinsparungen
Um diese Logiken und Prozesse zu verbinden, dürfte der Einsatz neuer Technologien zunehmend an Bedeutung gewinnen. Besonders an den Schnittstellen zwischen SFDR-Produktklassifizierung, ESG-Datenhaushalten und MiFID-II-Nachhaltigkeitspräferenzen entstehen Prozesse, die sich aufgrund ihres hohen Standardisierungsgrads in besonderem Maße für eine weitgehende Automatisierung eignen. KI-gestützte Modelle könnten künftig Produktdaten automatisiert den neuen SFDR-Kategorien zuordnen und Inkonsistenzen in Herstellerangaben erkennen. Gleichzeitig lassen sich repetitive ESG-Daten- und Kontrollprozesse über Automatisierungslösungen effizienter abbilden.
Auch in der Nachhaltigkeitspräferenzabfrage selbst ergeben sich Potenziale – etwa durch dynamische Fragebögen oder automatisierte Geeignetheitsprüfungen, die Kundenpräferenzen, ESG-Quoten und Produktkategorien konsistent miteinander verknüpfen. Denkbar wäre etwa ein KI-gestützter Beratungsprozess, der erkennt, dass die Nachhaltigkeitspräferenzen eines Kunden mit dem aktuell verfügbaren Produktangebot nicht vollständig übereinstimmen, und automatisch passende Alternativen oder Anpassungsmöglichkeiten aufzeigt.
Fazit
Der SFDR-Review adressiert zentrale Schwächen der heutigen ESG-Praxis – insbesondere bei Produktklassifizierung, Datenqualität und Transparenz. Zu den wesentlichen Punkten scheinen sich Kommission, Parlament und Rat einig zu sein. Operativ zeichnen sich bereits viele neue Herausforderungen für Hersteller und Vertreiber ab. Entscheidend wird daher weniger die einzelne Regulierung sein als die Fähigkeit, SFDR-Produktlogik und MiFID-II-Prozesse technisch und operativ konsistent miteinander zu verbinden. Das steht ganz im Einklang mit den Signalen der ESMA, Pragmatismus, Dokumentationsqualität und transparente Kundenkommunikation anstelle von regulatorischer Überpräzision in den Vordergrund zu stellen. Neue Technologien bieten hier interessante Hebel, um manuelle Aufwände und damit Kosten zu reduzieren und gleichzeitig belastbare Prozesse auf der Basis einer nachvollziehbaren Governance zu implementieren.











