DORA: Einheitliches Regelwerk für mehr Cyberresilienz in Europa

DORA setzt seit Januar 2025 erstmals einheitliche EU-Vorgaben für das IKT-Risikomanagement in der Finanzbranche und löst nationale Regelwerke wie die BAIT und VAIT ab. Der Fokus liegt auf IKT-Risikomanagement, Meldepflichten, Resilienztests und dem Management von IKT-Drittparteien. Finanzinstitute müssen die prinzipienbasierten Vorgaben nun in klare Rollen, Prozesse, Kontrollen und Nachweise überführen – oft unter hohem Zeitdruck und mit noch unklarem Prüfungsfokus.

DORA als neuer EU-Standard – einheitliche Regeln für das IKT-Risikomanagement, anspruchsvolle Umsetzung

DORA ist seit Januar 2025 in Kraft und löst die BAIT als maßgeblichen Rahmen für das Management und die Minderung von IKT-Risiken ab. Damit gelten erstmals EU-weit einheitliche Vorgaben für Banken, Versicherungen, Zahlungsdienstleister und weitere Finanzmarktteilnehmer. Ziel von DORA ist es, die bislang zersplitterten nationalen Regelwerke zu konsolidieren und die Befugnisse der Aufsichtsbehörden zu harmonisieren.

Zum 17. Januar 2025 endete die zweijährige Umsetzungsfrist, innerhalb derer die Institute ihre IT-Organisation, Prozesse und Systeme an die neuen Anforderungen anpassen mussten. Zwar haben die meisten Institute DORA inzwischen formal eingeführt, doch die durchgängige Operationalisierung der Anforderungen in den laufenden Geschäfts- und IT-Prozessen bleibt weiterhin eine zentrale Herausforderung.

Grundlegende Ziele von DORA:

  • Stärkung der Resilienz von Systemen und Prozessen in der Finanzbranche
  • gleiche Regelungen für Unternehmen mit gleichen Tätigkeiten und gleichem Risiko
  • einheitliche Verantwortung und identische Befugnisse für Regulierungsbehörden in der EU

Die jeweils beaufsichtigten Unternehmen sowie deren Dienstleister unterliegen einheitlichen Regelungen.

DORA besteht aus neun Kapiteln, von denen das erste den Anwendungsbereich und verwendete Begrifflichkeiten definiert, das sechste zum Informationsaustausch zwischen den Unternehmen anregt und die Kapitel sieben bis neun primär die formaljuristische Umsetzung regeln. Operativ relevant sind dementsprechend vor allem die Kapitel zwei bis fünf:

  • Kapitel II: IKT-Risikomanagement
    Kernanforderung: Implementierung von Schlüsselprinzipien und Anforderungen an den Rahmen des IKT-Risikomanagements
  • Kapitel III: Vorfallmeldungen
    Kernanforderung: Harmonisierung und Straffung der Berichterstattung sowie Ausweitung der Berichtspflichten auf alle Finanzunternehmen
  • Kapitel IV: Testen der digitalen operationellen Resilienz
    Kernanforderung: Durchführung von bedrohungsorientierten Tests
  • Kapitel V: Management des IKT-Drittparteienrisikos
    Kernanforderung: Regeln für die Überwachung des Risikos von Auslagerungen und Definition des Aufsichtsrahmens für kritische IKT-Provider

Praktische Umsetzung und regulatorische Verknüpfung

Zur Operationalisierung von DORA dienen die Level-2-Standards (RTS und ITS) als verbindliche Konkretisierung und Umsetzungshilfe für die in der DORA-Verordnung (Level 1) festgelegten prinzipienbasierten Anforderungen. Die sogenannten RTS (Regulatory Technical Standards) beschreiben die konkrete technische Ausgestaltung der DORA-Vorgaben mit rechtlich verbindlichem Charakter. Sie ergänzen spezifische Artikel der Level-1-Texte und definieren detaillierte technische Anforderungen für die praktische Umsetzung in Finanzinstituten. Die ITS (Implementing Technical Standards) enthalten praktische Implementierungsvorgaben, die die operative Umsetzung von Prozessen und Meldeverfahren regeln. Diese Standards sind ebenfalls verbindlich und stellen einheitliche Verfahren und Vorlagen für die gesamte EU sicher.

Damit verschiebt sich der Fokus für Institute von der abstrakten Regulatorik hin zur konkreten Umsetzung im Haus: Aus Prinzipien müssen belastbare Prozesse, Rollenmodelle, Kontrollmechanismen und Nachweise werden – und zwar unter hohem Zeitdruck und häufig auf Basis noch nicht finaler Auslegungen.

Operationalisierung von DORA – ein Puzzle unter Zeitdruck

Die Operationalisierung von DORA fühlt sich für viele Institute wie ein Puzzle unter Zeitdruck an: Rollen zwischen First und Second Line im IKT-Risikomanagement sind oft unklar, die Transparenz über Assets, Identitäten, Zugriffe und Risiken ist lückenhaft, und das Bewusstsein für regulatorische Anforderungen in Fachbereichen und IT ist begrenzt. Gleichzeitig binden manuelle IKS-Kontrollen wertvolle Ressourcen, während DORA- und NIS‑2-relevante Prozesse noch nicht durchgängig auditfähig sind.

Wir helfen dabei, die Puzzleteile zusammenzusetzen

Wir unterstützen Sie mit klar abgegrenzten, flexibel kombinierbaren Leistungsbausteinen:

  • Reifegradanalysen und Gap-Assessments zur präzisen Standortbestimmung
  • Gezielte Weiterentwicklung des Risikomanagements in First und Second Line mit klaren Rollen und Kommunikationswegen
  • Review und Vereinheitlichung Ihrer Richtlinien von der Strategie bis zur operativen Umsetzung
  • Automatisierung Ihrer IKS-Kontrollen auf Basis unseres Trichtermodells

Ergänzend bieten wir praxisnahe Awareness-Trainings und Linienstützprogramme für Fachbereiche, IT, Entwickler und Führungskräfte – unter anderem über die PPI Academy – und begleiten Sie bei anstehenden Prüfungen von der Vorbereitung Ihrer Mitarbeitenden bis zur Kommunikation und Abstimmung mit Prüfern.
So wählen Sie die für Ihr Institut relevanten Schritte aus und kombinieren sie zu einem passgenauen DORA- und NIS‑2-Umsetzungspfad.

Darüber hinaus profitieren Sie von unserem klaren Branchenfokus auf Finanzdienstleister: Wir kennen die Themen und bringen ein tiefes Verständnis der Regulierung in Ihre Projekte ein. Unsere starke Praxisorientierung stellt sicher, dass wir Sie von der Konzeption bis zum Prüfungsgespräch begleiten. Wir machen Ihr Team stark – mit Trainings für Anwendungsverantwortliche, Entwickler, Führungskräfte und das Top-Management. Ergänzt wird dies durch unsere Partnerschaft mit cysmo® für technische Tiefe im Bereich Cyber Risk.

Expert Summary – Digital Operational Resilience Act

Weitere Details können Sie in unserem Expert Summary zum Digital Operational Resilience Act nachlesen.

Download Expert Summary

Können wir Sie unterstützen?

Tim Glenewinkel

Tim Glenewinkel

Director

Kontakt
Andreas Bruckner

Andreas Bruckner

Director

Kontakt

Das könnte Sie auch interessieren

Digital Broker

Verändertes Kundenverhalten, die digitale Transformation sowie gesetzliche und regulatorische Veränderungen machen die Anpassung und Weiterentwicklung von Prozessen und Handlungsweisen in der Assekuranz notwendig. Mit unserer langjährigen Branchenexpertise unterstützen wir Makler und Assekuradeure bei der Bewältigung anstehender Herausforderungen.

Mehr erfahren

ESG-Risikomanagement

Spätestens seit dem Solvency-II-Update sind Nachhaltigkeitsrisiken in der Geschäfts- und Risikostrategie sowie der Unternehmensorganisation zu berücksichtigen. Die Integration des ESG-Risikomanagements in die entsprechenden Prozesse ist eine große Herausforderung. Hier hilft eine pragmatische Herangehensweise.

Mehr erfahren

cysmo | Cyberrisikobewertung

Mit dem Analysetool cysmo® lässt sich das Cyberrisiko eines Unternehmens fundiert und in Echtzeit einschätzen. Die von dem Outside-in-Scanner gelieferten Daten sind leicht in den Underwriting-, Vertriebs- und Portfoliomanagementprozess integrierbar. cysmo® ist Branchenstandard und Marktführer in der deutschen Versicherungslandschaft.

Mehr erfahren

Migration

Immer mehr Versicherungsunternehmen lösen ihre gewachsenen IT-Systeme durch zeitgemäße Lösungen ab. Die Migration von Daten, Anwendungen und Prozesse ist folgerichtig. Aber wie? Unsere Experten begleiten Ihr Transformationsvorhaben mit den gesammelten Erfahrungen aus zahlreichen Migrationsprojekten.

Mehr erfahren