European Digital Identity Wallets und eIDAS 2.0 – Herausforderung und Chance für die Finanzbranche

Die EUDI Wallet und eIDAS 2.0 verändern grundlegend, wie Finanzunternehmen mit ihren Kunden interagieren. Künftig werden Identitäten grenzüberschreitend interoperabel, hochstandardisiert und in Echtzeit verfügbar sein. Für Finanzunternehmen bedeutet das konkret, u. a. Prozesse wie SCA (Strong Customer Authentication) und KYC (Know Your Customer) neu zu denken sowie bestehende Onboarding‑ und Abschlussstrecken zu modernisieren. Die damit einhergehenden regulatorischen Anforderungen sind frühzeitig zu berücksichtigen. Gleichzeitig eröffnen sich Chancen für effizienteres Kunden-Onboarding, weniger Medienbrüche und innovative Services in einem Echtzeit-Ökosystem im Zusammenspiel mit der EUDI Wallet.

EUDI Wallet: Treiber der digitalen Identität in der Finanzbranche

Die EUDI Wallet etabliert sich als präferierte Lösung für digitale Identitäten und Nachweise in Europa. Technisch basiert sie auf gesicherten Identitätsprofilen und verifizierbaren Berechtigungsnachweisen (z. B. Personalausweis, Führerschein, Kontodaten, Unternehmensrollen und vielen mehr), die in der Wallet des Benutzers gespeichert werden. Benutzer:innen können diese Attribute selektiv und zweckgebunden mit Dritten – etwa Finanzunternehmen – teilen. Für diese entsteht so eine einheitliche, interoperable Identitätsquelle, die vielfältige Anwendungsfälle ermöglicht: vom digitalen Onboarding und sicheren Login in Online- und Mobile Banking über Initiierung, Authentifizierung und Autorisierung von Transaktionen, bis hin zu elektronischen Signaturen für Vertragsabschlüsse. In naher Zukunft wird die EUDI Wallet damit zum Kernbaustein der Kundeninteraktion – die Akzeptanzpflicht gilt für (Finanz-)Unternehmen ab 2027.

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eIDAS Verordnung: Weichenstellung für Payments

Im Kontext von eIDAS 2.0, PSD3 und PSR wird die EUDI Wallet eine zentrale Rolle in der Strong Customer Authentication (SCA) einnehmen. Banken werden Wallet-basierte Identitäten und Authentifizierungsmechanismen bis Ende 2027 akzeptieren müssen, insbesondere im Kontext von Zahlungen. Die EUDI Wallet kann dabei sowohl als SCA-Faktor dienen als auch selbst zum Startpunkt werden. Benutzer:innen initiieren Zahlungen direkt aus der Wallet, während Identität, Kontoverbindung und Autorisierung gebündelt bereitgestellt werden. Ebenso ist die Einbettung bestehender Bezahlverfahren (z. B. Kartenzahlungen, Onlinebanking-basierte Verfahren, Request-to-Pay) in die EUDI Wallet möglich – Banken und Payment-Schemes erhalten so einen regulierten, einheitlichen Zugangskanal zu ihren bestehenden Services.

EUDI Wallet im Kontext Know Your Customer

Im KYC-Bereich bietet die EUDI Wallet Potenzial für vollständig digitale Onboarding-Prozesse und effiziente Re-Verifikationen im Einklang mit AML(R)-Anforderungen.

Herausforderungen für Banken

Die Einführung der EUDI Wallet stellt Banken vor strategische und operative Fragen: Wie positionieren sie sich im entstehenden Ökosystem – als reiner Benutzer oder aktiver Mitgestalter? Prozessstrecken in Onboarding, Authentifizierung und Zahlungsverkehr müssen überarbeitet, IT-Architekturen angepasst und die Integration in die EUDI-Sandbox-Umgebung aufgebaut werden, um regulatorische und technische Anforderungen frühzeitig zu testen.

Chancen durch die EUDI Wallet

Trotz aller Komplexität eröffnet die EUDI Wallet Banken signifikante Chancen: effizientere Prozesse, geringere KYC- und SCA-Kosten, höhere Conversion in digitalen Strecken und die Möglichkeit, neue Services rund um digitale Identitäten und Signaturen zu entwickeln. Wer sich frühzeitig vorbereitet, kann seine Rolle im zukünftigen Identitäts- und Payment-Ökosystem aktiv gestalten.

Banken

EUDI Wallet: Mehr als ein Identifikationsverfahren

Die EUDI Wallet wird häufig primär als neues digitales Identifikationsverfahren wahrgenommen. Ihr eigentliches Potenzial im Banking liegt jedoch in der Nutzung vertrauenswürdiger, digitaler Nachweise. Dazu zählen beispielsweise Vollmachten, Steuerstatus, Rollen- und Berechtigungsinformationen, Qualifikationen oder Zertifikate, die standardisiert, maschinenlesbar und automatisiert prüfbar bereitgestellt werden können.

Die eIDAS-Verordnung setzt den regulatorischen Rahmen: Mit der Akzeptanzpflicht ab 2027 entwickelt sich die EUDI Wallet von einem strategischen Zukunftsthema zu einem konkreten Umsetzungs- und Architekturthema im Banking. 

Das Potenzial der EUDI Wallet im Banking

In Kombination mit RegTech-Lösungen eröffnet die EUDI Wallet neue Möglichkeiten, insbesondere:

  • Reduktion von Papier, manuellen Formularen und Medienbrüchen 
  • stärkere Automatisierung von Compliance-Vorprüfungen
  • nachvollziehbare, maschinenlesbare Prüf- und Entscheidungsnachweise für Revision und Aufsicht 

Für Banken bedeutet dies: Die entscheidenden Fragen liegen nicht erst im Wallet-Frontend, sondern in der Integration in bestehende Prozess- und Systemlandschaften. Dazu gehören unter anderem:

  • Identifikation relevanter Nachweise für regulatorisch kritische Prozesse
  • Ableitung geeigneter Use Cases in KYC/KYB, Produktabschluss, Rollen- und Berechtigungskonzepten
  • Gestaltung von Prüfregeln, Governance, Audit-Trails und Archivierung
  • Einbettung der EUDI Wallet in bestehende RegTech- und Zielarchitekturen

Wer die EUDI Wallet ausschließlich als weiteres Identverfahren betrachtet, unterschätzt das Potenzial einer interoperablen Vertrauensinfrastruktur für digitale Nachweise, auf der moderne RegTech-Architekturen aufsetzen. Banken, die sich frühzeitig mit Zielbild, Use Cases und technischer Integration befassen, können die neuen regulatorischen Rahmenbedingungen nutzen, um ihre End-to-End-Digitalisierung in regulatorisch kritischen Prozessen gezielt voranzutreiben.

Versicherungen

Die EUDI Wallet für Versicherungen

Die EUDI Wallet ermöglicht die sichere digitale Identifikation von Kundinnen und Kunden sowie die Nutzung vertrauenswürdiger, maschinenlesbarer Nachweise. Für Versicherungen sind insbesondere Identitätsdaten, Altersnachweise, Wohnsitzinformationen, Vollmachten, Rollen- und Berechtigungsnachweise sowie weitere Attributsbescheinigungen relevant.

Damit kann die EUDI Wallet zentrale Versicherungsprozesse vereinfachen:

sicheres digitales Onboarding von Kundinnen und Kunden

starke Authentifizierung beim Login in Kundenportale (SCA)

zusätzliche Absicherung sensibler Transaktionen, z. B. bei Online-Fondswechseln oder Vertragsänderungen

digitale Identifikation beim Versicherungsabschluss

Absicherung gegen Identitätsbetrug und KI-basierte Fälschungen

schnellere KYC- und Compliance-Prüfungen

Verbesserung der Datenqualität von Kunden- und Partnerdaten

digitale Schadenmeldung mit geprüften Kundendaten

rechtssichere digitale Zustellung von Dokumenten

digitale Bereitstellung und Prüfung von Versicherung­s­nachweisen, z. B. für Kfz-, E-Kfz- oder Reiseversicherungen

bessere Einbindung von Maklern, Plattformen und Drittanbietern

In Verbindung mit RegTech-Lösungen eröffnet die EUDI Wallet so neue Möglichkeiten zur Reduktion manueller Prüfungen, Papierprozesse und Medienbrüche. Prüfungen können standardisiert, automatisiert und nachvollziehbar dokumentiert werden – ein wichtiger Vorteil für Revision, Aufsicht und interne Governance. Governance.

Herausforderungen für Versicherer

Für Versicherer liegt der zentrale Handlungsbedarf jedoch nicht nur im Wallet-Zugang, sondern auch in der Integration in bestehende Prozess- und Systemlandschaften. Dazu gehören die Auswahl relevanter Nachweise, die Definition geeigneter Use Cases, die Gestaltung von Prüfregeln sowie die Einbettung in Zielarchitektur, Archivierung und Audit-Trails.  

Zusätzlich wird die Frage wichtig, wie Versicherer selbst vertrauenswürdige Nachweise bereitstellen können, etwa als Aussteller von Versicherungsbestätigungen oder Partnerattributen. Hierfür braucht es Beratung bei den notwendigen Registrierungsprozessen, technischen Voraussetzungen und organisatorischen Anforderungen, um als Attribut- oder Nachweisanbieter auftreten zu können.  

Versicherer, die die EUDI Wallet frühzeitig strategisch nutzen, können regulatorische Anforderungen erfüllen und gleichzeitig ihre digitalen Abschluss-, Service- und Schadenprozesse nachhaltig modernisieren. 

FAQ: Häufige Fragen zum EUDI Wallet

Was ist eine EUDI Wallet?

Eine EUDI Wallet ist eine digitale Brieftasche für verifizierbare Identitätsprofile und Berechtigungsnachweise (z. B. Reisepass, Führerschein, Kontodaten, Unternehmensrollen). Benutzer:innen speichern Attribute in der Wallet und teilen sie selektiv und zweckgebunden mit Dritten (z. B. Banken). Sie ist damit eine interoperable, nutzerzentrierte Quelle digitaler Nachweise und dient als Vertrauensanker für digitale Interaktionen.

Ist die Nutzung der EUDI Wallet verpflichtend?

Für Privatpersonen ist die EUDI Wallet ein freiwilliges Mittel zur Nutzung digitaler Identitäten. Banken hingegen müssen Wallet-basierte Identitäten und Authentifizierungsmechanismen bis Ende 2027 akzeptieren – es besteht also eine Verpflichtung zur Akzeptanz, aber nicht zur Nutzung.

Wie unterscheidet sich eIDAS 2.0 von der alten eIDAS Verordnung?

eIDAS 2.0 erweitert das bisherige Rahmenwerk durch die Einführung der EUDI Wallets, stärkere Interoperabilität, nutzerzentrierte, selektive Offenlegung von Attributen und breitere Anwendbarkeit für Dienste (z. B. Zahlungsinitiierung, elektronische Signaturen).

Ab wann gilt eIDAS 2.0?

Die eIDAS-Novellierung ist bereits 2024 in Kraft getreten. Voll anwendbar, also inklusive der zugehörigen Umsetzungsakte (Commission Implementing Regulations), ist eIDAS 2.0 ab Ende 2027.

Welche Rolle spielt eIDAS 2.0 für PSD3/PSR?

eIDAS 2.0 (bzw. die EUDI Wallet) wird eine zentrale Rolle bei der Strong Customer Authentication (SCA) spielen: Wallets können selbst SCA‑Faktor sein oder Startpunkt für Zahlungsinitiierung und Autorisierung. Dadurch wird ein einheitlicher, regulierter Zugangskanal zu bestehenden Payment‑Services möglich – relevant für die Umsetzung von PSD3/PSR‑Anforderungen.

Welche Systeme und Schnittstellen müssen Banken für die EUDI Wallet anpassen?

Banken müssen vor allem ihre Identitäts-, KYC-/AML-, IAM- und Kernbanksysteme so erweitern, dass sie Wallet-basierte Identitäts- und Attributsnachweise empfangen, prüfen, und revisionssicher dokumentieren können. Entscheidend ist es, diese Nachweise in bestehende Prozesse zu integrieren.

Wie verändern sich Know-Your-Customer-Prozesse durch eIDAS 2.0 und die EUDI Wallet?

Für KYC-Prozesse bieten sich neue Möglichkeiten: ein vollständig digitales Onboarding, effizientere Re-Verifikationen im Einklang mit AML-Anforderungen, weniger Medienbrüche, Zusammenführung von Identität und Kontoverbindung. Banken können dadurch KYC-Kosten senken, müssen jedoch Prozesse und IT-Architekturen anpassen sowie Sandbox-Tests durchführen.

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Carsten Fuchs

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