Exceptions & Investigations

E&I neu gedacht: Das neue Swift Case Management

Nordön Pema

Nordön Pema

Consultant

Thomas Ambühler PPI AG

Thomas Ambühler

Manager

  • 28.05.2026
  • Lesezeit 6 Minuten
Swift Case Management
Key Takeaways
  • Die CBPR+-Roadmap sieht umfassende Änderungen im Bereich E&I vor.

  • Neben neuen ISO-20022-Nachrichtentypen führt Swift verpflichtend das Case Management ein.

  • Banken müssen jetzt organisatorische und technische Weichen stellen, um fristgerecht compliant zu sein.

Der Bereich Exceptions & Investigations galt lange als Randthema des Zahlungsverkehrs. Doch nach Abschluss der ISO-Migration für Zahlungen rückt jetzt auch E&I in den Fokus. Strukturierte Daten eröffnen neue Chancen – und die verpflichtende Einführung des Swift Case Managements rückt näher.

E&I meets G20-Ziele zur Verbesserung grenzüberschreitender Zahlungen

Am 22. November 2025 endete mit Abschluss der Koexistenzphase die CBPR+-Migration auf den ISO-20022-Standard im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr, weg von MT-, hin zu MX-Nachrichten. Durch die strukturierten Datenformate sowie SWIFT GPI konnten hierbei in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte hinsichtlich der Schnelligkeit, Automatisierung und Transparenz zur Erreichung der G20-Ziele bei grenzüberschreitenden Zahlungen erzielt werden. Damit ist jedoch nur ein Teil der ISO-Migration erfolgreich absolviert. Die CBPR+-Roadmap sieht im weiteren Verlauf umfassende Änderungen in weiteren Bereichen vor, u. a. beim Thema Exceptions & Investigations (nachfolgend: E&I).

Warum Veränderungen im E&I-Bereich längst überfällig sind

Derzeit lösen etwa 1–3 % aller grenzüberschreitenden Zahlungen einen Nachforschungsprozess aus. Auch wenn das auf den ersten Blick erst einmal wenig klingt, sind es genau diese Zahlungen und der Umgang mit den Hindernissen, die die Kundenzufriedenheit prägen. Eine Studie zeigt, dass die Kundenabwanderungsrate durch schlechte E&I-Erfahrungen um 3 % höher ausfällt.

Lange Zeit blieben Anpassungen an die technologischen Entwicklungen und Innovationen im Bereich E&I aus. Erste Bemühungen zur Verbesserung der Prozesse fanden mit gpi Stop & Recall Payment (SRP) im Jahr 2018 sowie gpi Case Resolution im Jahr 2019 zwar statt, setzten sich allerdings wegen eines zu eingeschränkten Nutzerkreises nie in der Breite durch.

Trotz der Bemühungen blieben E&I-Prozesse langsam und manuell:

  • Die Nutzung unstrukturierter Nachrichtenformate und eine fehlende Standardisierung ermöglichen kaum Automatisierung und machen eine manuelle Bearbeitung der Fälle unersetzlich.
  • Das Fehlen einer zentralen End-to-End-Identifikation für die Investigation erschwert die Nachverfolgung über ein zentrales Verfolgungs-Tool.
  • Weiterhin werden E&I-Nachrichten seriell entlang der Zahlungskette weitergeleitet, wodurch der Intermediär potenziell nur als reiner „Durchlauferhitzer“ dient, was zu Verzögerungen in der Klärung führen kann.

Sowohl die anfragende Bank als auch ihr Kunde sind im Ergebnis im Schnitt für 5–8 Werktage im Blindflug unterwegs und können keine Aussage zum Stand der Nachforschung treffen – alles Faktoren, die zu einer schlechten E&I-Erfahrung beitragen.

Laut Swift-Angaben summieren sich die Kosten für E&I-Prozesse im gesamten Finanzsektor auf etwa 1,6 Mrd. USD pro Jahr. Verursacht wird dies durch den hohen manuellen Mitarbeitereinsatz, Liquiditätsbindung, Strafzahlungen und Erstattungen.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, warum Swift den E&I-Bereich nun grundlegend neu aufstellt und die Möglichkeiten aus der ISO-20022-Migration nutzt.

Swift Case Management – der neue Standard für E&I

Am 17. April 2025 kündete Swift für das Jahr 2025 offiziell den Launch des neuen Swift Case Managements an. Das Case Management ist seit November 2025 für die breite Masse optional nutzbar, wird zukünftig jedoch für jedes Finanzinstitut verpflichtend. Es umfasst zwei Services, den Case-Orchestrator-Service und den Stop-and-Recall-Service.

Der Case-Orchestrator-Service bündelt alle ausgetauschten Nachrichten zu einem Case zentral und macht sie transparent an einer Stelle verfügbar. Über eine Verknüpfung mit dem Payment Tracker werden Nachforschungsaufträge automatisch mit Informationen zur betroffenen Zahlung angereichert. In geeigneten Fällen kann er auf dieser Basis zudem automatisierte Antworten über den Status der Zahlung an das anfragende Institut senden. Ferner werden Anfragen direkt und adressatengerecht ohne Umwege an die zuständige Bank weitergeleitet. So entfallen unnötige manuelle Schritte und der Automatisierungsgrad im E&I‑Prozess steigt deutlich.

Zusätzlich stellt Swift über das Case Management nun auch Nicht-GPI-Teilnehmern den Stop-and-Recall-Service und damit einen standardisierten Rückrufprozess zur Verfügung. Rückrufe werden über die bekannten Cancellation Messages camt.056 und camt.029 zentral über den Case Orchestrator abgewickelt und mithilfe von Payment-Tracker-Daten angereichert, sodass sie strukturiert, nachvollziehbar und mit einheitlicher Datenbasis an die jeweils zuständige Bank gelangen.

Ermöglicht werden diese Services und der Wandel hin zu einem Standard im E&I‑Handling durch strukturierte ISO‑20022‑Nachrichtenformate mit dedizierten Use‑Cases, ISO‑Codes und formalen Regeln. Statt bilateralem Austausch sieht Swift vor, diese Nachrichten ausschließlich zentral über den Tracker‑BIC TRCKCHZZ auszutauschen, damit die neuen Funktionalitäten im E&I‑Prozess auch tatsächlich zur Anwendung kommen. Herzstück der Nachrichtenformate bei Nachforschungsaufträgen (camt.110 und camt.111) ist zudem die Vergabe einer End-to-End-Investigation-Reference (EIR), um alle Informationen und nachfolgenden Nachrichtenaustausche zu diesem Case bündeln zu können.

Durch das Neudenken des E&I-Prozesses können industrieweit voraussichtlich etwa 600 Mio. USD pro Jahr eingespart werden – durch FTE-Einsparungen, Reduzierung von Strafzahlungen und Erstattungen und Reduzierung von Liquiditätskosten. Gleichzeitig steigt die Kundenzufriedenheit, weil Fälle schneller und transparenter geklärt werden.

Die Zeit drängt

Damit dieses Mal die Umsetzung branchenweit gelingt, hat sich Swift für eine verpflichtende Einführung des Swift Case Managements und der neuen Nachrichtentypen im Rahmen der CBPR+-Roadmap entschieden. Das schafft Planungssicherheit, erhöht die Prozessqualität und zwingt Banken, rechtzeitig organisatorische, technische und fachliche Anpassungen vorzunehmen. Swift sieht hierbei einen straffen Transformationsplan mit einem stufenweisen Onboarding vor. Bereits im November 2026 kommt die erste verpflichtende Änderung. Die Zeiten für die Umsetzung sind also ambitioniert.

Swift Case Management 2.0 Deep Dive

Tiefergehende Informationen, wie das Swift Case Management funktionieren wird und wie Sie es für Ihr Institut implementieren können, finden Sie in unserem ausführlichen Factsheet, das Sie auf unserer Webseite herunterladen können:

Jetzt tiefer eintauchen

Fazit

Die Einführung des Swift Case Managements markiert einen tiefgreifenden Wandel in der E&I-Abwicklung. Banken, die frühzeitig planen, Prozesse und Rollenbilder anpassen sowie ihre Systeme vorbereiten, profitieren von höherer Automatisierung, mehr Transparenz, besserem Dispute-Handling und kürzeren Klärungszeiten. Dies schlägt sich in positiven Kundenerfahrungen nieder. Fehlende oder eine verspätete Vorbereitung bergen hingegen das Risiko sinkender Attraktivität als Korrespondenzpartner, operativer Engpässe, steigender Kosten und regulatorischer Probleme. Umso wichtiger ist es, sich jetzt strukturiert mit der Umsetzung zu befassen.

Ein Beitrag von Nördon Pema, Thomas Ambühler und Robin Dionysius.

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