Entwicklung Payments

Globaler und zugleich regionaler – Zahlungsverkehr 2026

Hubertus von Poser

Dr. Hubertus von Poser

Head of Sales and Consulting Payments

  • 21.01.2026
  • Lesezeit 3 Minuten
Zahlungsverkehr Ausblick 2026
Key Takeaways
  • 2026 kann Wero durch iDEAL-Migration und Instant Payments zur echten PayPal-Alternative werden; Banken und Händler sollten Integrations- und Marktchancen prüfen.

  • Neue Rails und erweiterte ISO-Standards erhöhen Komplexität – Institute benötigen modulare Integrations- und Orchestrierungsfähigkeiten.

  • Europäische Cloud, Agentic AI und EBICS-4.0 bieten Chancen, erhöhen aber Betrugsrisiken.

Der Zahlungsverkehr steht 2026 vor drei prägenden Entwicklungen, die teils gegensätzlich erscheinen: Die weitere Verbesserung des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs, eine zugleich fortschreitende Re-Regionalisierung sowie technologische Umbrüche.

Payments entwickelt sich über mehr alternative Rails

Im kontobasierten internationalen Zahlungsverkehr stehen schnellere Verarbeitung, geringere Kosten und mehr Transparenz für Endkundinnen und Endkunden im Mittelpunkt. Voraussetzung dafür sind einheitliche Standards. Nach dem Start der neuen ISO-Formate im Jahr 2025 rücken weitere Bausteine wie strukturierte Adressdaten und standardisierte Verwendungszwecke in den Fokus. Parallel setzt sich der Trend zu Echtzeitzahlungen über Länder- und Regionsgrenzen hinweg fort. Unterschiedliche Initiativen gewinnen an Dynamik, und es wird spannend zu beobachten sein, welche zusätzlichen Leitwege („Rails“) entstehen, um Geschwindigkeit, Kosten und Transparenz weiter zu verbessern.

Obwohl SWIFT mit gpi oder SWIFT go den steigenden Anforderungen an Transparenz und Geschwindigkeit begegnet, entstehen parallel leistungsfähige Alternativen: Mastercard XB Services, Visa Direct, Wise Payments Network oder Circle Payments Network sind nur eine Auswahl von Anbietern, die Alternativen mit sehr unterschiedlichen Ansätzen und Schwerpunkten anbieten. Viele Banken arbeiten parallel intensiv daran, selbst besser zu werden.

Regionalisierung trotz Cross Border Payments

Trotz des wachsenden Volumens im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr ist gleichzeitig eine Re-Regionalisierung zu erkennen. Politische Entwicklungen verstärken den Wunsch vieler Regionen, unabhängiger zu werden und eigene Zahlverfahren zu etablieren. Für 2026 sind daher beim digitalen Euro ebenso wie bei Wero spürbare Fortschritte zu erwarten. Wero könnte dank seiner geschickten Expansionsstrategie sowie dem Start im E-Commerce und am „Point of Sale“ tatsächlich Marktanteile von Paypal gewinnen. Beim digitalen Euro wird entscheidend sein, welchen rechtlichen Rahmen der Gesetzgeber vorgeben wird.

Mit der steigenden Zahl neuer Rails wachsen auch die Anforderungen an die Infrastruktur der Kreditinstitute. Sie müssen in der Lage sein, verschiedene Leitwege und Verfahren flexibel einzubinden und effizient zu orchestrieren.

Im kartengestützten Zahlungsverkehr hingegen ist keine Re-Regionalisierung sichtbar. Co-Badges mit Visa Debit und Debit Mastercard verbreiten sich weiter, ebenso wie das Angebot externer Wallets durch Banken – insbesondere Apple Pay und Google Pay.

Cloud, KI und Betrugsbekämpfung

Auch auf der Infrastrukturebene gewinnt die Re-Regionalisierung an Bedeutung. Einige Institute, darunter erste Förderbanken, setzen bereits auf alternative Cloud-Anbieter jenseits der großen US-Konzerne. Gleichzeitig schreitet der Trend zur Auslagerung von Zahlungsverkehrsanwendungen in die Cloud voran. Dies ist häufig verbunden mit der Ablösung alter Systeme, die moderne Anforderungen wie ISO-Fähigkeit oder Echtzeitverarbeitung nicht mehr zuverlässig unterstützen.

Technologisch wird der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) weiter an Bedeutung gewinnen. Neben Prozessoptimierung und Kostenreduktion rückt mit „Agentic AI“ zunehmend die Umsatzseite in den Fokus. Kundinnen und Kunden könnten KI künftig für komplette Einkaufsprozesse nutzen – etwa für die Planung, Buchung und Bezahlung einer Reise. Händler werden sich intensiver mit Agentic Commerce befassen und Anwendungen testen. Und auch das näher rückende Quantencomputing macht sich durch die derzeit in Arbeit befindliche Ebics-4.0-Regulierung immer bemerkbarer.

Mit den Fortschritten bei Echtzeitverarbeitung und KI steigt auch die Bedeutung der Betrugsbekämpfung. Ob global oder regional – für Kriminelle bleibt der Zahlungsverkehr ein attraktives Feld. Entsprechend wichtig wird es sein, Sicherheitsmaßnahmen ebenso konsequent weiterzuentwickeln wie die Angebote selbst.

Verfasst von

Hubertus von Poser

Head of Sales and Consulting Payments

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